YB 11 Nuda Fighter in der Paioli-Ausführung,

ein Erfahrungsbericht von Jochen Israel

 

Kaufdatum: Dezember 2002

Kaufpreis: 9500.- (mittlerweile gibt es die letzten Modelle bei ZTK für 8500.-)

Farbe: ursprünglich rot/weis , aktuell blau/weiß

 

Allgemeines:

Das Fahrzeug wurde Anfang 2003 via professioneller Motorrad-Spedition pünktlich angeliefert. Außer eines zerstörten Außenspiegels war alles OK. ZTK-Köhnemann wollte leider keine Kohle für den eh nicht originalen und bei meiner Größe auch noch unbrauchbaren Spiegel raus tun.Nac h einigem hin und her wurde dann ein neuer Spiegel geschickt.

 

Wenn man jetzt glaubt das es los ging ……..weit gefehlt.

Die Reifen wiesen ein Fabrikationsdatum von 1996 auf, also waren die Dinger schon 7 Jahre alt und so an der Grenze. Ich wollte das Risiko nicht eingehen u.a. auch weil ich mit der YB 11 auf die Rennstrecke wollte. Also ein paar Michelins drauf.

 

Nachdem dann für ca. 150.-€ die gesamte Elektrik überprüft und modifiziert wurde, dachte ich es könne jetzt richtig losgehen. Aber leider war es immer noch nichts……

Das Lenkkopflager hatte Spiel und nach mehreren erfolglosen und zum Schluss auch unerfreulichen Telefonaten mit ZTK nahm ich die Reparatur auf meine Kappe (rein Zufällig wieder 150.-) .

Aber jetzt ging es los…….. Zuerst recht vorsichtig, weil das Moped  ja mind. 6 Jahre gestanden hat, dann aber immer mutiger.  Die ersten 1000 km sollte man es wirklich verhalten angehen lassen. Eine pünktliche erste Inspektion ist auch nur anzuraten. Der Motor wird es danken.

 

Aber dann im Frühjahr wagte ich mich, eigentlich nur um ein paar Bimota Cracks kennen zu lernen, ins Motodrom nach Rijeka. Dort fand die erste Bimota Deutschland Vergleichsfahrt des Jahres 2003 statt. Ich kann nur sagen: Supererstesahneklassegeil ! Die YB 11 hielt das was die Zahlen versprachen, leider das Wetter in Rijeka auch, aber das ist ein anderes Thema.

Hervorragende Motorleistungen mit beherrschbarer Entfaltung, ausreichend gute Bremsen mit ausreichender Verzögerung und individuell einstellbares Fahrwerk, das allerdings manchmal ein paar Rätsel im Bezug auf gleich bleibende Einstellwerte aufgibt.

Edles Design und exklusive Materialien + Detaillösungen.

Nun aber genug geschwärmt. Ich habe in Rijeka Feuer und Flamme gefangen und bin nun regelmäßig bei den Events des Bimota Club Deutschland  dabei. Diese „Truppe“ ist riesig nett und wir haben auch immer abseits der Rennstrecke viel Spaß. Ich kann nur jedem Mopedfahrer, der mal Rennstreckenluft schnuppern will, empfehlen dies in Verbindung mit dem Bimota Club Deutschland zu tun. Alle Mopedfahrer sind willkommen und es gibt sogar eine Vergleichsfahrt, die herstellerunabhängig durchgeführt wird.

 

Nun zu einigen Schwachstellen an meiner YB 11. Grundsätzlich ist die YB 11 nach meiner heutigen Erfahrung nicht das optimale Gerät für die Rennstrecke. Prädestinierter sind wohl die Modelle SB6, YB 9 und vor allem YB8/10. Aber nichts desto trotz natürlich geht die YB 11 besser als ich es nach nur einem Jahr umsetzten kann. Wie mein Lehrmeister immer sagt:

Software (damit meint er mich) und Hardware müssen zusammenpassen aber meistens ist nicht die Hardware sonder die Software das Problem. So nun aber zurück zu den Problemen.

 

 

 

Bei einer der ersten Inspektionen wurde folgendes festgestellt:

 

-fast alle Schrauben sind zu fest angezogen und konnten teilweise nur durch aufbohren gelöst     werden

-Ventile sollte man schon nach 5000 km prüfen und einstellen lassen. War bei meiner YB echt notwendig.

-der Drehzahlmesser  verabschiedete sich bereits nach 2000 km

-bei einem unfreiwilligen Wheelie ist die Lampenmaske auf den Kotflügel aufgeschlagen und hat diesen zerstört. Ein echter Konstruktionsfehler des Umbaus. ZTK schickte nach div. Tel. einen neuen Kotflügel. Hier sollte man bei der Nuda –Ausführung Gegenmaßnahmen ergreifen. Meine Empfehlung ist, wenn man unbedingt eine Nuda –Ausführung haben will , dann sollte man die „normale“  Ausführung kaufen und dann den Umbau durch den Verkauf der original Verkleidung finanzieren..

-Kette und Ritzel halten unter Rennstreckenbedingungen leider nur ca.1000 km.

-das Fahrwerk  ist zwar gut, aber irgendwie eigenartig von dem Verhalten. Ein Nachjustieren  nach jedem Reifenwechsel (speziell bei Markenwechsel) ist keine Seltenheit.

 

Mittlerweile ist die YB 11 ausschließlich für die Rennstrecke umgebaut (siehe Fotos)

Es werden ausschließlich Slicks aufgezogen. Wobei ich dort die besten Erfahrungen mit Pirelli und dicht gefolgt von Michelin gemacht habe. Bridestone Battlax Racing in 180 verursachte im Topspeed-Bereich richtig grobes Lenkerschlagen, was lt. Bridgestone beim 190 er nicht mehr sein soll (habe ich aber nicht getestet). Wie gesagt der Pirelli Slick ist mein Favorit weil er auch mit Abstand am längsten hält.

 

Umbauten:

 

-leichter Rennkrümmer in Verbindung mit einem Akrapovic Titan Race Endtopf

-von Ernst Albrecht (genialer Laminierer) erstellte Rennverkleidung (halb GSXR halb Bimota)

-PVM-Felgen vorne 10 Speichen (neu), hinten 3 Speichen (alt)

-Spiegler Bremspumpe

 

geplante weitere Maßnahmen:

 

-Installation einer PFM-Bremse, wenn die Passprobleme gelöst werden > Bremsbefestigungsadapter, Bremsscheibe und Bremsbeläge wollen noch nicht so richtig mit einander harmonieren

-Flachschieber-Vergaser inst. und anpassen

 

Fazit:

 

Preis/Leistungsverhältnis stimmt unter den heutigen Preisen vollkommen

Die YB 11 ist ein wunderschönes, alltagstaugliches aber auch für die rennstreckegeeignetes Moped. Auch in der Nuda-Ausführung hat die YB 11 ihren Charme.

 

Die Ersatzteilversorgung ist schon heute ein mittelprächiges Problem. Die Teile sind nicht nur schwer zu bekommen, sondern auch in der Regel fast mit Gold auf zu wiegen.

Nur gut, dass es für den vielverbreiteten Yamaha YZF 1000 Thunderace Motor noch alles gibt.

 

Ich würde wieder eine YB11 kaufen, ich würde wieder nach Rijeka fahren und und und